Flores – grüner geht’s nicht

Flores – grüner geht’s nicht…

Mit kräftigem Halbwind Stärke 5 segeln wir die 150 nm in 22 Stunden, so schnell war das nicht geplant: wir wollten erst im Hellen ankommen. Andererseits sind wir froh, wir wollten vor der durchziehenden Kaltfront anlanden, die kommt allerdings früher als erwartet und erwischt uns bereits eine Stunde vor dem Hafen. Die letzten Meilen sind eine Karussellfahrt hoch und runter. Vor Anker, wo wir kräftig durchgerollt werden, geht es weiter, hin und her.

Sobald die Sonne aufgeht, fahren wir in den Hafen – bei immer noch böigem Wind. Die Einfahrt ist gewöhnungsbedürftig. Mitten in der Einfahrt liegt ein riesiger Block, der ist zwar mit einer Spiere gekennzeichnet, aber nachts sollte man das wirklich nicht versuchen, obwohl – tagsüber springt dafür die Dorfjugend übermütig von der Hafenmauer und tummelt sich schwimmend in der Einfahrt.

Rückwärts fahren wir in den Hafen, ein Boot welches gerade ablegt, signalisiert uns, dass dies der beste Platz sei, wir lassen das Boot passieren und ich höre ein Fluchen. Matthias hat den Gashebel in der Hand. Seit 15 Jahren war der eigentlich immer fest mit der Steuersäule verbunden. Wusste gar nicht dass der auch als Fernsteuerung funktioniert. Tut er auch nicht. Der Arbeitsgang vorwärts ist drin und und wir fahren langsam frontal Richtung Hafenmauer.

Die Seglergemeinschaft kuckt ungläubig. Was tut er da?

Ohne Ganghebel kein Gasgeben, kein Anhalten, keine Rüchwärtsfahrt möglich …

Mit dem Bugstrahlruder dreht Matthias das Boot, die Hafenmauer kommt nun Dank der Böen Backbord auf uns zu, ich agiere als Fender und drücke uns von der Hafenmauer ab. Erstmal schnell wieder raus aus dem Hafen und ab ins Vorbecken. Hier schraubt Matthias den Steuerknüppel wieder fest und wir starten einen zweiten Versuch, rückwärts rein und ab an den perfekten Liegeplatz. Puh, der Schreck sitzt uns noch ein bisschen in den Knochen. Sowas passiert wirklich dann, wenn man es am meisten gebrauchen kann.

Aber wir sind angekommen – auf Flores. Viele sagen es sei die schönste Insel. Flores ist eine Wanderinsel und ansonsten sei nicht viel geboten, sagt der Reiseführer, egal was man außer Wandern unternehmen möchte, sobald nicht ein paar Leute zusammen kommen, fände nichts statt 😉

Der Hafenmeister Tiago kündigt uns an, dass in den nächsten vier Tagen das bedeutendste Fest des Jahres die Festa do Emigrante stattfindet. Haben wir es also mal wieder unbeabsichtigt und ungewollt geschafft…

Der Hafen ist schön und klein. Ein paar Boote, die den Weg von der Karibik oder Kuba hierher gefunden haben, liegen hier. Geographisch betrachtet liegt Flores auf dem amerikanischen Festlandsockel, heute im sicheren Abstand zur tektonischen Bruchzone.

Christian, der TO – Stützpunkt Leiter versorgt uns jeden Morgen mit frischen Eiern und spannenden Geschichten von Booten die hier schon angekommen sind. Oberhalb der Marina befindet sich eine nette Bar, in der man sein Sonnenuntergangsbier gut genießen kann. Andere Segler „vermachen“ uns ihren privaten Autovermieter. Wir sind mit der alten Mühle ganz zufrieden und machen uns auf die Erkundung der 143km2 großen Insel, die man in 4 Tagen auch gut erwandern könnte. Man muss extrem langsam fahren, weil überall Häschen rumhoppeln. Die Straße ist ihr zu Hause und wir sind nur geduldet.

Die Natur begeistert uns. Der Name Flores ist Programm. Es grünt und blüht, die Wasserfälle sind atemberaubend.

Der Festa do Emigrante wohnen wir natürlich auch kurz bei. Strassenumzüge, laute Musik: es erinnert ein bisschen an eine Kirmes auf einem Dorf im Nirgendwo – wo alle Nachbardörfler mal vorbeischauen. Jugendliche auf den Azoren bekommen bis 22Jahre alle Inselflüge umsonst. Ob man so die Jugend hier langfristig hält ist fraglich. Aber eine schlechte Idee sind diese kostenlosen Kontaktbörseflüge wahrscheinlich nicht.

Die SY Annamera ist auch wieder eingetroffen und nach 3 Wochen Enthaltsamkeit spielen wir wieder vergnüglich Karten. Wie so oft auf den Azoren warten wir also spielend auf besseres Wetter oder ein gutes Wetterfenster – diesmal Richtung Graciosa.

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