Terceira

Terceira

Eins muss man ja den Azoren lassen: bisher waren unsere Überfahrten wie aus dem Bilderbuch. Fantastisches Segeln, der Motor bleibt kalt.

Der Ankerplatz vor Praia da Vítoria ist der Traum. Eine schöne Bucht mit Sandstrand, perfekt geschützt und am Strand blitzen die Superbock-Sonnenschirme einer hoffentlich schönen Beachbar. Im Hafen liegt die SY Samji mit Wolfgang, und da wir gerne noch mit ihm einen gemütlich Abend verbringen wollen, bevor es für ihn wieder Richtung Kanaren geht und er uns anbietet an seinem Schiff im Päckchen festzumachen, melden wir uns am nächsten Tag beim Hafenmeister an. Auch die SY Annamera bekommt noch einen letzten Platz im Hafen und wir entschließen uns abends Anker aufzugehen und in den Hafen einzulaufen. Ich stehe am Ruder, Matthias holt den Anker hoch und gibt Richtungsanweisungen. Dann“Anker frei“… aber doch irgendwie nicht. Irgendwas passiert da vorne am Ankerkasten. Matthias flucht. Der Anker will nicht nach Hause in die Kiste, sondern fällt und fällt und fällt – da, wie sich später herausstellt, die Bremsklaue gebrochen ist. Mit vereinten Kräften geben wir alles: ich hole den Anker aufwärts und Matthias sorgt mit einem Rohr dafür, dass die Kette nicht wieder rausrauschen kann.

Bei 30kg Ankergewicht plus 2,3 Kilogramm pro Kettenmeter ist das eine sch(w)eiss(treibenende) Aktion.

Zum Glück spielt das Wetter mit, keine Welle kaum Wind und wir treiben ganz kontrolliert ab. Mit etwas Verspätung und deprimiert machen wir im Hafen fest und freuen uns auf ein gutes Abendessen als Entschädigung. Die Cataplana lässt fast das Ankerdesaster vergessen … aber nur fast. Lange Rede, kurzer Sinn, normalerweise kann Matthias alles reparieren, aber diese Winsch ist hin. Kurzer Preisvergleich für die neue Kobra und den Expressversand. Danke SVB – innerhalb von 5 Tagen ist die Wisch angekommen und vom Kapitän eingebaut. Das Warten auf Terceira wird uns nicht langweilig. Die Stadt ist schön, aber vor allem die Strandbar Prainha ist ein paradiesisches Plätzchen. Der herrliche Blick auf die Ankerbucht und das Beobachten des gemütlichen Treibens am Strand vor allem gegen Sonnenuntergang ist entspannend.

Auch hier wollen wir mit einem Mietwagen und den ÖV noch etwas anderes entdecken. Mit dem Bus fahren wir nach Angra. Überall auf Terceira finden Feierlichkeiten statt und überall gehört ein Stierkampf auf der Straße, eine Tourada à Corda (Stierkampf an der Leine) dazu. Was wir bisher gehört haben, soll das sehr gemütlich zugehen. Von Stieren kann man oft nicht reden, kleine Bullen nicht größer als Hunde laufen gemütlich durch die Gassen, Kinder springen drumherum. Es wird gegrillt und gefeiert und alle sind eingeladen. Auch hier heute in Angra soll ein großer Rinderwahnsinn in der Marina stattfinden. Wir schauen uns erst das wunderschöne Städtchen an was zu Recht als Highlight der Insel bezeichnet wird. Das historische Zentrum mit seinen Palästen, Herrenhäusern, Klöstern und Kirchen ist sehenswert, vor allem haben wir mal richtig gutes Wetter! In der Marina versammelt sich langsam die ganze Inselgemeinschaft. Die Tourada wird mit dem Knall einer Rakete eröffnet. Und dann geht es los. Wir schauen uns das eine Weile an, wie der Stier mit einem Regenschirm gereizt wird, bis er mit den Hufen scharrt und dann wird gerannt – ins Wasser kann er ja den Wagemutigen nicht folgen und außerdem halten die Mascaderos den Stier an der Leine und kontrollieren so das Geschehen. Nach dem Kampf darf der Stier sich dann wieder auf der Weide erholen.

Mit dem Auto erkunden wir zwei Tage lang die Insel, die Naturpools von Biscoitos gefallen uns so gut, dass wir dort den halben Nachmittag vergammeln und erstmals überlegen, doch einmal ins Wasser zu gehen – es bleibt bei der Überlegung. Eine schöne Wanderung von Serreta zum Kratersee Lagoinha durch Lorbeerwälder und mit Ausblicken über Weiden und das Meer machen dann für uns den Aufenthalt auf Terceira komplett. Auf zur nächsten Insel nach São Jorge.

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