Mit viel Verspätung- Ein Sommer an der Algarve

Ein Sommer an der Algarve oder die Leichtigkeit des Langsamen

Anfang Juni sind wir in Lagos aufgeschlagen ohne große Erwartungen. Wir wussten nur eins, Anfang Oktober kurzer Abstecher nach Deutschland und spätestens Mitte Oktober wollen wir zurück auf die Kanaren. 4 Monate ist eine lange Zeit, vielleicht fahren wir ja weiter nach Spanien, zurück ins Mittelmeer… oder wer weiß.

Das wir diesem kleinen Küstenabschnitt so verfallen würden, hatten wir nicht vermutet. Zwischen Lagos und Tavira, das war unser Radius. Ca 50 Seemeilen – darf man das überhaupt in einem Segelbericht so ohne Scham und Schande schreiben? Matthias meint, dieses Segelrevier ist perfekt für Nichtsegler! Also, wer sportlich segeln will, ist hier falsch. Wir waren jedoch genau richtig ( zumindest für diesen Sommer)

Wobei wir doch eindeutig sagen müssen – anspruchsvoll ist dieses Revier schon, speziell was die Navigation betrifft. Aber nur Mut- nach der Ebbe kommt die Flut!

Die besten Ankerplätze muss man sich verdienen …

Wer auf spektakuläre Ankerplätze mit Felsen rundherum und azurblauen Wasser hofft, wird enttäuscht. Dafür gibt es Naturerlebnisse anderer Art. Wandelnde Landschaften, die sich mit den Gezeiten verändern, Austern und Muscheln, warten nur darauf gefunden zu werden, Vogelgezwitscher und Storchengeklapper, das jede Musik in den Schatten stellen, die Abendsonne, die aus dem Wasser „golden fields“ zaubert. Man ankert wie in Abrahams Schoss, ohne nervigem Schwell und trotzdem hört man weiter entfernt die Brandung der Atlantiks an die Strände der vorgelagerten Inseln donnern.

Unsere Highlights in der Lagunenlandschaft sind Alvor und Tavira.

Bei beiden sind weder die Karten von Navionics noch Cmap verlässlich: Eyeball Navigation ist angesagt, bzw. Einheimischen Fischer – und Ausflugsbooten folgen, und vor allem. Einfach mal langsamer machen. Wir haben alles erlebt, kurz touchiert und weiter gerutscht, rückwärts wieder rausmanövriert und auch mal 6 Stunden aufgesessen.

Und trotzdem, hätten wir gleich am Eingang von Alvor und Tavira geankert, hätten wir das Beste verpasst.

Die schönsten Strände sind nach 7 Uhr …

Wenn die letzten Fähren die Touristen von ihrem Strandtag abholen, ist es Zeit für uns dort anzulegen. Am liebsten am Praia de Terra Estraita, der Kiosk hat bis kurz nach Sonnenuntergang auf, perfekter Sundowner, auch wenn die Sonne nicht im Meer untergeht. Unsere Alternative für die, die sich noch etwas bewegen möchten: Ilha de Culatra, von Culatra nach Farol einen Strandspaziergang oder auf Ilha Armona einen Spaziergang bei Ebbe.

Die gemütlichsten Städte…

Ob Lagos, Faro, Olhão, oder Tavira (unserem Favorit) – wer gern durch gepflasterte Gassen wandelt und in Cafés mit Blick aufs Wasser bei einem Vinho verde verweilt, Hausfassaden mit Azulejos, den bunt bemalten und glasifizierten keramikfliesen bestaunt, ist hier überall richtig!

Die Straßen sind oft mit Sonnensegeln überdacht, sodass es selbst in der Mittagshitze auszuhalten ist. Während die meisten Touristen am Strand rumliegen, hat man die Stadt fast für sich alleine.

Der spannendste Ausflug

Mit dem Dinghi von Portimão nach Silves 8 Seemeilen flussaufwärts vorbei am Clube Nautico de Silves unberührte Natur und ein unvergessliches Erlebnis.

Für alle, die es an die Algarve verschlägt: wir wünschen euch wunderschöne Tage, Wochen, am besten Monate.

Im Übrigen, Segeln geht auch, eben etwas langsamer – aber es sind ja keine Entfernungen!

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