Übermut kommt vor der Flut – oder wieviel Zeit man für eine Abkürzung braucht

Übermut kommt vor der Flut oder wieviel Zeit man für eine Abkürzung braucht.

Wir nehmen Abschied von Alvor, motoren bei Nullwind gemütlich die Küste entlang Richtung Culatra. Die Zeit nutzen wir um Wasser zu machen, die Waschmaschine anzuschmeißen, kleinere Arbeiten eben.

Ansonsten feiern wir den letzten kalendarischen Sommertag und das bei ausgelassener Stimmung. Wir freuen uns darauf, nachher noch schnell mit dem Beiboot nach Olhão zu fahren, kleinen Abstecher zum Marisco um Venusmuscheln oder Langusten zu kaufen und im „Cha-Cha-Cha“ eine Kleinigkeit zu essen.

Wir fühlen uns schon fast wie zu Hause als wir die Einfahrt nach Culatra nehmen. Zwischen den beiden Leuchtfeuern durchzufahren, erinnert etwas an die Straße von Messina. Mit Skylla und Charybdis haben wir bereits Bekanntschaft gemacht, sie lassen uns nur mit leichtem Widerwillen passieren. Ab jetzt kennen wir den Weg bis zum Ankerfeld im Schlaf.

Musik noch ein bisschen lauter, Motor hochschalten, Olhão wir kommen… kleine Abkürzung noch nehmen, wir kennen ja das Revier und pffffzzzzssss, stecken wir fest. Prima. Auch nach mehreren Versuchen kommen wir von der Sandbank nicht los. Wer hat die dahin gebaut – und so schnell? Die muss neu sein – 20 Meter neben uns, segeln andere munter durchs Tiefwasser.

Laut Tidenkalender stecken wir richtig in der SchSandbank fest. In zweieinhalb Stunden ist Niedrigwasser, heißt wir kommen bestenfalls erst in fünf Stunden also 10 Uhr abends frei. Dann machen wir es uns eben ungemütlich.

Wir sind nicht allein in unseren Elend. Fischerboote und Wassertaxis umkreisen uns, ich grüsse freundlich und hebe bedauernd die Schultern, und alle grüßen freundlich zurück, „just wait for highwater“ einer fragt nett nach, ob er uns rausziehen soll. Wir halten es wie Samuel Beckett: „Warten auf Go-flow “ ,oder so. Nach und nach kommen dann auch mal Dinghis vom nahen Ankerfeld, umkreisen unser Boot und halten die Kamera auf uns. Kommen wir jetzt ins Fernseh???

Der Zeitpunkt des Niedrigwassers kommt immer näher und mittlerweile mutieren wir zu Hanghühnern, mir gehen ständig Szenen aus „Titanic“ im Kopf herum, wie sich alle verkrampft an der Reling festhalten um nicht senkrecht runter zu fliegen. Matthias lenkt mich ab, in dem er aus einem Buch vorliest, was wir schon lange zur Seite gelegt haben, weil es so schlecht ist. Wir regen uns wiedermal furchtbar über die hanebüchene Story auf, aber es hat seine Zweck erfüllt.

Wassertiefpunkt ist da, wir haben das Schlimmste überstanden. Noch schnell eine Runde mit dem Dinghi ums Boot fahren, ein paar Fotos von dem Elend machen und wenn schon mal die Ventile offen liegen, kann man die ja gleich mal mit entmuscheln. Langsam, langsam nimmt die Krängung ab, wir kehren zu menschenähnlichen Bewegungen zurück und in der Dunkelheit bei Mondschein, verlassen wir unseren unfreiwilligen Ankerplatz, um ein paar Minuten später dann tatsächlich den Anker zu werfen.

Unsere Abkürzung hat uns fast sechs Stunden gekostet. Also eher nicht so effizient.

Ein Kommentar

  1. Man muss das Positive sehen. Zum einen konnte man das Boot auch mal von unten inspizieren und alles säubern, zum anderen habt ihr schöne Bilder machen können. Und ob ihr sechs Stunden warten musstet oder nicht, wen juckt das oder hattet ihr dringliche berufliche Termine?
    Liebe Grüße aus Tampa und zukünftig immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

    Gefällt 1 Person

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