Überfahrt zu den Kanaren- kleines Atlantiktagebuch

Überfahrt zu den Kanaren – kleines Atlantiktagebuch
Tag1: Strasse von Gibraltar

Abflug aus der Bucht von Gibraltar problemlos und windstill. Ab jetzt spielen die Gezeiten eine Rolle: die Wasserstandsänderungen betragen hier bis zu 2 Meter, dementsprechend stark ist die Strömung in und aus dem Atlantik. Die Bücher sagen, dass man 2-3 Stunden nach Hochwasser auslaufen soll, wir tun dies etwas später, bei totaler Flaute (normalerweise herrschen hier an 300 Tagen im Jahr 6 oder mehr Windstärken. Heute sieht das Meer aus wie ein Ölteppich, es ist 9.00 Uhr morgens und da wir keinerlei Wind haben können wir jede Strömung ausmachen. Strudel, Wirbel, das wärmere Mittelmeer und der kältere Atlantik tanzen miteinander um die Vorherrschaft. 

Wir passieren die Strasse von Gibraltar, wir schlängeln uns durch unzählige Frachter und Cargos die übermächtig erscheinen und haben ca. 5 Tage Atlantik vor uns. 

Das Wetter funktioniert zunächst wie prophezeit, 50 Seemeilen motoren wir durch die Flaute, dann setzen wir Segel. Eine alte Dünung vermiest uns ein bisschen den Spass. Geschaukel von der Seite, aber wir rauschen unter optimalen Windbedingungen durch die kabbelige See. 
Wie gehabt ist die Wache nach unserem Biorhythmus eingeteilt. Das passt, ich schlaf spät nachmittags noch kurz vor und übernehme die Wache ab 22.00 Uhr dann übernimmt am sehr frühen Morgen Matthias. 



Tag 2 

Hochseefischerei. 

Wir frühstücken gemeinsam, die Segel müssen reingeholt werden, kaum Wind und viel Welle, die uns Kreuz und quer schaukelt. Die grüne Genua (der Motor) springt ein. Die Angel kommt ins Wasser, Matthias verabschiedet sich zum Mittagsschlaf. Und ich denk noch, ist das so eine gute Idee? Die Kühltruhe ist voll, Matthias schläft, was, wenn jetzt was anbeisst. 15 Minuten später: rrrrrr, ich kurbel und kurbel, spiel ein bisschen mit dem Fisch, lass ihn ein bisschen mitschwimmen und muss dann doch wohl oder übel bei Matthias mal nachfragen : Sashimi oder Schlaf? Er entscheidet sich für Sashimi – der neue Kescher kommt zum Einsatz- der Mini- Schmetterlingskinderkescher hat wegen Unzweckmässigkeit ausgedient. Die neue Flasche Wodka wird geköpft (die wurde speziell für die Fische gekauft – billig und hochprozentig), Matthias holt den Fisch ein, ich helfe mit dem neuen Kescher nach, der Fisch ist an Bord, bekommt seine Dröhnung hinter die Kiemen und wird ausgenommen, und da er doch relativ klein ist, hat er genau die richtige Grösse für den Grill, er bekommt ein sehr warmes Willkommen am selbigen Tag.
Ich sag noch, jetzt bleibt die Angel aber drin, aber Matthias verschwendet keinen Gedanke an die Fortsetzung seines Mittagsschläfchen. Angel wieder raus „wo einer ist gibt es auch noch andere… „ und prompt nach 20 Minuten : rrrrrrrr. Kein Vergleich mit meinem geangeltem Fischchen… eine Riesenmonstermakrele hängt an der Angel, wunderschön sieht sie im Wasser aus. Aber wir kennen kein Erbarmen, same Procedere as allways , Angelei wird zur Routine. Diesmal ist Makreli auch ein Foto wert, bevor sie zu Sashimi verarbeitet wird. 
Der Tag war also schlussendlich trotz fehlendem Windes relativ erfolgreich. Ein Bilderbuchsonnenuntergang entschädigte uns komplett. 

Die Nacht verlief ruhig – 4.00 Uhr Wachwechsel, traumhafter Sternenhimmel!


Tag 3 

whale watching

Immer noch kein Wind, aber viel weniger Welle. Wir sehen Schildkröten, Delphine, Wale!!!

Und freuen uns dass sie nicht anbeissen, unter meinem Protest hat Matthias die Angel wieder rausgehängt – zum Glück nur eine erfolglose halbe Stunde. Zur Belohnung gibt es Zürcher Geschetzteltes und Rösti (irgendwann ist Schluss mit Fisch).

Endlich gegen 18.00 Uhr kommt der Wind, ein wunderschönes Segeln beschliesst den Tag, perfekt schweben wir dahin in den Sonnenuntergang, Katie Melua und Sting dürfen mit an Bord. Schöner kann Segeln nicht sein.


Tag4
Delfine eskortieren uns immer wieder. Von Backbord und Steuerbord kommen sie und einige schwimmen vorn am Bug eine ganze Weile mit. Motoren wechselt Segeln ab. Erneut ein traumhafter Sonnenuntergang. Die vorerst letzte einsame Nachtwache endet für mich gegen drei Uhr morgens, Land in Sicht. Wir ankern eine Stunde später vor dem Hafen Caleta del Sebo auf Graciosa.


Überfahrt in Zahlen
117 Stunden Fahrtzeit

Eine Zeitzone übersprungen

Halb gesegelt (leider nur) – halb motort 

2 Fische gefangen

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